Imitat, Plagiat, Fälschung – Was ist was und was ist (il)legal? Welche Faktoren begünstigen Produktpiraterie und welche Konsequenzen zieht Produktpiraterie nach sich? Hier finden Sie eine umfassende Sammlung an Hintergrundinformationen. Die folgende Übersicht bietet einen Überblick über die verschiedenen Begrifflichkeiten zur Thematik Produktpiraterie und Produktschutz. Während zu Anfangs vorwiegend Konsum- und Markenartikel plagiiert wurden, hat sich die Problematik auch auf Hightech-, sowie komplexe Investitionsgüter ausgeweitet. Imitate lassen sich deshalb nicht immer einer einzelnen oder exakten Erscheinungsform zuordnen.

Nachschlagewerk

Ein factory-overrun ist ein Vertragsverstoß von Lizensrechten mit dem Originalhersteller. Der Lizenznehmer stellt hierbei unberechtigterweise zusätzliche Originalware zum genehmig-ten Produktionsvolumens her. Dies können beispielsweise Ausschuss-Produkte sein, die die Qualitätsanforderungen des Rechteinhabers nicht erfüllen und deshalb nicht für den Vertrieb freigegeben werden sollen (Paradise, 1999 und Kammerer & Fuchs, 2006)
Eine Fälschung ist die Verletzung von nicht technischen gewerblichen Schutzrechten wie Marken oder Geschmacksmuster. Das bedeutet, Fälschungen unterstellen dem eigenen Produkt unrechtmäßiger Weise die Urheberschaft eines Anderen. Formen der Fälschung sind die Markenfälschung, Sklavische Fälschung und das Knock-off-Produkt. Typisches Kennzeichen einer Fälschung ist somit die detailgetreue Nachahmung des Erscheinungsbildes des Originalproduktes (Gausemeier, Glatz, Lindemann & Bauer, 2012, S. 2 f.).
Der Vertrieb von Graumarktprodukten wird auch als Parallelimport bezeichnet. Parallelimporte sind durch Lizenznehmer, Auftragsproduzenten oder Originalhersteller legal produzierte Waren, die unter Verletzung von Import- und Exportbestimmungen vertrieben werden (Paradise, 1999).
Als Imitate werden Produkte bezeichnet, die teilweise oder vollständige Nachahmung bestimmter Eigenschaften eines Produktes besitzen. Imitate können sich in der Form von Produktpiraterie (Verletzung von gewerblichen Schutzrechten) oder Vertragsverstößen (die Verletzung von Lizenzrechten) äußern. Der Begriff „Imitat“ stammt von dem lateinischen Wort imitatio = Nachahmung, Nachbau. Die drei wesentlichen Eigenschaften von Imitaten sind

  1. Ihr zeitliches Auftreten nach dem Original
  2. Ein Angebot gleicher Anwendungsfunktionalität wie das Original
  3. Verwendung gleicher oder ähnlicher Technologien wie das Original

Imitate per se sind, wenn auch vielleicht nicht legitim, nicht illegal. Der Nachbau von Produkten wird erst durch ein Missachten von Schutzrechten Dritter illegal (Gausemeier, Glatz, Lindemann & Bauer, 2012, S. 2 f.).

Bei einer Konzeptkopie werden die wesentlichen technischen Eigenschaften eines Produktes übernommen. Im Gegensatz dazu ahmt eine sklavische Kopie die technische Funktionsweise eines Originalproduktes bis ins kleinste Detail nach (Gausemeier, Glatz, Lindemann & Bauer, 2012, S. 3).
Als ein Knock-off-Produkt wird eine Fälschung bezeichnet, die die Orignialmarke nachahmt, für den Kunden in Aussehen und Qualität jedoch eindeutig als Nachahmung zu erkennen ist (Gausemeier, Glatz, Lindemann & Bauer, 2012, S. 3).
Markenpiraterie fokussiert primär auf Fälschungen. Ursprünglich wurden alle Formen von Imitaten unter dem Begriff Markenpiraterie zusammengefasst. Bei der Markenfälschung wird versucht, einen vermeintlichen Originalitätscharakter durch die Verwendung von Markenlogos, Aussehen, Verpackung oder technischen Merkmalen zu erzeugen (Gausemeier, Glatz, Lindemann & Bauer, 2012, S. 3).
Me-too-Produkte sind Imitate, erfolgreicher Original-Produkte. Sie nutzen diese als Inspiration zur Herstellung des Me-too-Produktes. Me-too-Produkte werden unter eigener Marke vertrieben und verletzten keine Schutzrechte, da sie sich ausreichend vom Originalprodukt unterscheiden (Nee-mann, 2007).
Als Plagiate werden Produkte bezeichnet, die ausschließlich technische gewerbliche Schutzrechte (beispielsweise Patente oder Gebrauchsmuster) verletzten und fremden geistigem Eigentum die eigene Urheberschaft unterstellen. Plagiate treten in Form von Konzeptkopien oder sklavischen Kopien auf (‚Fälschung‘, 1998).
Mehr Informationen unter Produktpiraterie.
Unter Produktpiraterie wird die Verletzung von gewerblichen Schutzrechten verstanden. Produktpiraten verwenden geistiges Eigentum Dritter unter Verwendung geschützter Firmen-, Produktnamen und Logos am Markt. Der Begriff Produktpiraterie bezeichnet somit den unzulässigen Nachbau von Produkten. Produktpiraterie hat viele Erscheinungsformen und mindestens genauso viele Namen: Kopie, Imitat, Plagiat und Fälschung. Oft sind Imitate aus der Investitionsgüterindustrie eine Kombination aus Plagiat und Fälschung (Gausemeier, Glatz, Lindemann & Bauer, 2012, S. 5).
Sklavische Fälschungen versuchen, Gestalt und Verpackung eines Produktes bis ins kleinste Detail nachzuempfinden (Gausemeier, Glatz, Lindemann & Bauer, 2012, S. 3).
Ein Vertragsverstoß ist die Verletzung von Lizenzrechten mit dem Originalhersteller z.B. durch Factory-overrun/Überproduktion oder Graumarktprodukt (Gausemeier, Glatz, Lindemann & Bauer, 2012, S. 4).

Quellennachweise

Fälschung. (1998). In Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. Mannheim.
Gausemeier, J., Glatz, R., Lindemann, U., & Bauer, W. (2012). Präventiver Produktschutz. München: Carl Hanser.
Kammerer, J., & Fuchs, H. (2006). Piraten, Fälscher und Kopierer. Wiesbaden: Gabler.
Neemann, C. (2007). Methodik zum Schutz gegen Produktimitationen (Graduate). Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen.
Paradise, P. (1999). Trademark counterfeiting, product piracy, and the billion dollar threat to the U.S. economy. Westport, Conn.: Quorum Books.