itsowl-3P: Wie schätzen Sie die Entwicklung von Produktpiraterie ein und welche Trends sehen Sie für die Zukunft?

3S: Mittelständische Unternehmen werden immer häufiger Opfer der Produktpiraterie. Insbesondere die Bereiche Maschinen- und Anlagenbau sowie Elektroindustrie sind davon betroffen. Doch trotz dieser Gefahrenlage halten sich viele Betriebe beim Produkt- und Knowhow-Schutz immer noch zurück. Daher ist zu befürchten, dass Produktpiraterie ein Milliardengeschäft bleibt. Da die Dunkelziffer von gefälschten Produkten, die nicht aufgespürt werden äußerst hoch ist, will man sich nicht vorstellen, wie viele der unentdeckten Plagiate in Umlauf geraten und das Leben der Verbraucher gefährden können.

itsowl-3P: Produktpiraterie ist also nicht nur für die Originalhersteller ein Problem, sondern auch für Verbraucher. Welche Gefahren lauern für die Hersteller von Originalartikeln, die sich nicht, oder nur unzureichend, mit der Thematik Produktschutz auseinandersetzen?

3S: Sobald Fälschungen auftauchen, muss der Hersteller mit weitreichenden Konsequenzen rechnen: gesundheitliche Gefährdung von Mitarbeitern und Kunden, Umsatzrückgang, Verlust von Marktanteilen, abnehmende Wettbewerbsfähigkeit, Imageverlust sowie langwierige juristische Auseinandersetzungen aufgrund von Produkthaftungs- und Schadenersatzklagen. Ein gefährlicher Mix, der sich zu einer existenziellen Bedrohung für ein Unternehmen auswachsen kann.

itsowl-3P: Der wirtschaftliche Schaden durch Produktpiraterie ist also immens. Wie sehen die langfristigen Schäden für Marken und Produkte genau aus? 

3S: Der gesamtwirtschaftliche Schaden von Produktpiraterie ist wirklich außerordentlich groß. So kosten Produktfälschungen die Unternehmen rund 50 Milliarden Euro im Jahr und es gehen jährlich mehrere Tausend Arbeitsplätze verloren. Doch auch die Gefahren für die Verbraucher müssen berücksichtigt werden, denn die Fälschungen bringen erhebliche gesundheitliche Gefahren mit sich. An den Verbraucher gelangen durch Fälschungen Medikamente ohne Wirkstoff, Windschutzscheiben aus minderwertigem Material, fehlerhafte Lenkungssysteme in Kraftfahrzeugen und gefährliche chemische Substanzen in Textilien, Kosmetik und Spielwaren – die Liste der gesundheitsgefährdenden Fälschungen wird immer länger. Außerdem können diese fehlerhaften Produkte das Image einer Marke bzw. eines Unternehmens massiv beeinträchtigen oder sogar nachhaltig schädigen.

Doch ein weiterer wichtiger Punkt sei zu den langfristigen Schäden von Produktfälschungen zu nennen: Die Bereitschaft der Unternehmen in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte zu investieren wird immer geringer, je mehr Produkte kopiert und gefälscht werden. Langfristig könnte damit die Innovationsfähigkeit Deutschlands verloren gehen.

itsowl-3P: Ein präventiver Schutz von Produkten und Entwicklungen ist demnach unumgänglich, um Produktpiraterie frühzeitig abzuwehren und den Forschungs- und Entwicklungsstandort Deutschland weiterhin attraktiv zu machen. Mit itsowl-3P möchten wir Unternehmen über Produktschutzmaßnahmen aufklären. Was ist Ihre Einschätzung, wie Unternehmen ihre Produkte schützen und Marken- und Produktpiraterie aktiv bekämpfen können?

3S: Wichtig ist vor allem dass die Unternehmen den Entschluss fassen ihre Produkte überhaupt zu schützen. Welche Schutzmaßnahme dann für die jeweiligen Produkte am besten geeignet ist, kann ganz individuell entschieden werde. Doch Sicherheitsetiketten spielen beim Schutz von Produkten aller Industriezweige, von Maschinen, Bau- und Ersatzteilen sowie von Verpackungen eine wichtige Rolle. Entscheidende Parameter für die Wahl des passenden Etiketts sind u.a. die spezifischen Eigenschaften der verwendeten Materialien, die Art der Oberflächen (glatt, rau oder grob strukturiert, eben oder gekrümmt) und deren physikalischen Merkmale (nieder- oder hochenergetisch), der Einsatzbereich (Innen- oder Außenbereich) sowie die Beständigkeit unter verschiedenen Umwelteinflüssen.
Sicherheitsetiketten bieten Schutz vor unberechtigten Zugriffen und Manipulationen. Wenn zusätzlich die Echtheit eines Produkts belegt werden soll, muss das Etikett mit einem Fälschungsschutzsystem kombiniert werden, wobei sichtbare und unsichtbare Sicherheitsmerkmale gewählt oder diese miteinander verknüpft werden können. Darüber hinaus können Sicherheitsetiketten mit Features für die Rückverfolgbarkeit (Track & Trace) ausgestattet werden, um den Weg eines Produkts vom Hersteller über den Handel bis zum Verbraucher nachzuvollziehen.

itsowl-3P: Welche Produkte bietet die 3S Simons Security Systems GmbH für den Schutz gegen Plagiatoren an?

Der Prüfmittelhersteller Ingun sichert die Verpackungen seiner gefederten Kontaktstifte mit SECUTAG®. Quelle: 3S

3S: Den zunehmenden Anforderungen des Marktes entsprechend, hat 3S auf der Basis von SECUTAG® individuelle Branchenlösungen entwickelt. SECUART® dient der rechtssicheren Identifizierung von Kunstwerken und Antiquitäten aller Art sowie der dazugehörigen Expertisen. SECUPRODUCT® ermöglicht durch die einzigartigen Eigenschaften der Farbcodes die Direktsicherung von Produkten aller Art. In der Textilbranche und bei Sportartikeln werden mit SECUFASHION® codierte Sicherheitsetiketten oder Polyesterfäden eingesetzt. Mit SECUPACK® werden Primär- und Sekundärverpackungen, z.B. in der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie, gekennzeichnet. Das beinhaltet Kartonagen, Dosen, Tuben, Blister, Fläschchen oder Verschlüsse. Ein weiterer Anwendungsbereich ist die Sicherung von Dokumenten: Mit SECUDOC® werden Urkunden, Zeugnisse, Wertpapiere, Verträge und Pläne fälschungssicher ausgestellt. Außerdem sind Transportdokumente wie Lieferscheine und Frachtpapiere sowie Dokumente für den Zoll und andere Instanzen mit den Farbcodes eindeutig zu identifizieren. SECUDATA® bietet eine durchgängige Sicherheit des gesamten Waren- und Materialflusses.

itsowl-3P: Wie groß sind Ihre Mikrofarbcode-Partikel und kann man diese auf dem Produkt erkennen?

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SECUDATA® verbindet die logistischen Vorzüge von Systemen für Rückverfolgbarkeit (wie z. B. Datamatrix oder RFID) mit der Fälschungssicherheit von Mikro-Farbcodes. Quelle: 3S

3S: Die weltweit kleinsten Mikro-Farbcodepartikel SECUTAG® bestehen aus Melamin-Alkyd-Polymeren und werden in verschiedenen Größen ab acht Mikrometern (µm) hergestellt. Für das bloße Auge ist die Sicherung mit Farbcodes unsichtbar; ein handelsübliches Mikroskop mit 100-facher Vergrößerung genügt jedoch zur Identifizierung.

itsowl-3P: Wo werden die Mikrofarbcode-Partikel auf dem Produkt aufgebracht?

3S: Ob die Mikrofarbcode-Partikel im Logo oder an einer anderen Stelle aufgebracht werden sollen, kann das Unternehmen ganz individuell entscheiden. Da die von 3S entwickelten Farbcodes an jeglicher Art von Materialien angebracht werden können, sind hier den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt.

itsowl-3P: Produktpiraten werden bekanntlich ja immer dreister. Sind die von 3S entwickelten SECUTAG® Partikel bisher nicht gefälscht worden?

3S: Seit der Entwicklung von SECUTAG® vor 15 Jahren konnte keines der von 3S hergestellten Mikro-Farbcodepartikel gefälscht werden. Die Bekanntgabe, dass Unternehmen ihre Produkte mit SECUTAG® sichern, wirkt sich sogar abschreckend auf die Fälscher aus.

itsowl-3P: Auf welchen Produkten sind diese Partikel zu finden?

3S: Leider dürfen wir die meisten unserer Kunden aus Sicherheitsgründen namentlich nicht nennen. Doch 3S sichert z.B. die Online-Terminals für das bargeldlose Bezahlen der Fressnapf Tiernahrungs GmbH mit einem OTF-Sicherheitsetikett. Außerdem werden die Kontaktstifte von INGUN in Kunststoffschachteln verpackt, für die 3S spezielle Sicherheitsetiketten entwickelt hat.

itsowl-3P: Lassen Sie die von Ihnen hergestellten Farbcodes mit anderen Sicherheitsmerkmalen kombinieren?

3S: Die Sicherheitslösungen von 3S lassen sich mit Systemen für Rückverfolgung (z. B. Datamatrix, RFID) kombinieren, so dass die gesamte Produktions- und Lieferkette durchgehend vor Plagiaten geschützt ist.

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Rolf Simons, Gründer und Geschäftsführer der 3S Simons Security Systems GmbH in Nottuln (Westfalen). Quelle: 3S

Zur 3S Simons Security Systems GmbH:

Die 3S Simons Security Systems GmbH ist ein international tätiger und renommierter Hersteller von Kennzeichnungssystemen für branchenübergreifenden Plagiatschutz. Das inhabergeführte Unternehmen umfasst heute die zwei Geschäftsfelder Produktkennzeichnungssysteme und Druckerzeugnisse.

Anhand der von 3S entwickelten, weltweit kleinsten Mikro-Farbcodes SECUTAG® werden Produkte, Verpackungen, Textilien, Dokumente und Daten fälschungs- und rechtssicher gekennzeichnet. Die Mikro-Farbcodetechnologie ist seit über 15 Jahren fälschungssicher im Einsatz. SECUTAG® liefert den eindeutigen Originalitätsnachweis und wird vor Gericht als Beweismittel anerkannt. Mikro-Farbcodes sichern Marken- und Patentportfolios und bewahren die Unternehmen vor ungerechtfertigten Schadenersatzansprüchen.

Rolf Simons: „Fälschungsschutz ist Verbraucherschutz – angesichts der Gefahren, die von Plagiaten ausgehen, sollte der Endverbraucher jedes Produkt, von dem Gesundheit und Leben abhängt, zweifelsfrei als Original identifizieren können.“